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Transpantaneira nach Porto Jofre (Pantanal Nord)

Heute war es soweit und wir beginnen den 3. Abschnitt unserer Reise. Den Abstecher ins Pantanal, Brasiliens grösstes Feuchtgebiet und eines der artenreichsten Gebiete der ganzen Welt. Der Pantanal ist eines der größten Binnenland-Feuchtgebiete der Erde. Obwohl es unter Naturschutz gestellt ist und seit dem Jahr 2000 zum Weltkulturerbe durch die UNESCO erklärt wurde, ist es akut gefährdet durch Raubbau und Profitgier. Im Bundesstaat Mato Grosso, einem Bundesland Brasiliens liegt das Pantanal an der Grenze zu Bolivien und Paraguay. Wir haben als Ziel für die nächsten paar Tage eine Hazienda im Norden des Pantanal, Porte Jofre. Dazu haben wir den Transfer im eigenen Wagen und einen Guide extra buchen müssen und hoffen, dass nun alles klappt. Wir werden um 07:00 Uhr abgeholt so denn alles klappt und deshalb schellt der Wecker um 05:30 Uhr, damit wir unsere Koffer noch packen und in Ruhe frühstücken können. Es lief heute auch bei Monica etwas schleppend an, aber um Punkt 6:30 Uhr standen wir im Hotel Deville in Cuiaba am Frühstücksbüffet. Und das war ein Buffet, dahinter müssen sich selbst die meisten guten europäischen Hotels verstecken. Es hat alles, was das Herz begehrt und noch vieles mehr, denn schliesslich gibt es hier lokale Spezialitäten.

Frühstücksbüffet Hotel Deville

Frühstücksbüffet Hotel Deville

Wie  die Schneekönige haben wir uns über die Pfeffermühle gefreut, denn in der Juma Amazonas Lodge gibt es keinen Pfeffer. Moment, das ist nicht ganz richtig, denn es gibt Pfeffer, nur verbinden die Brasilianer in Manaus damit eine scharfe Sauce, ähnlich unserem Tabasco. Aber es gibt dort keine Pfefferkörner. Während wir noch mitten am Schlemmen waren, tauchte plötzlich eine kleine Brasilianerin vor unserem Tisch auf, mit einem T-Shirt vom Porto Jofre. Sie hat sich als Judy vorgestellt und schüchtern angefragt, ob wir Monica & Reiner sind. Als wir das bejaht haben, kam sofort die nächste Frage, ob sie unsere Koffer schon mal verladen kann. Nur zu, sagten wir und schon war sie wieder verschwunden. Wow, sie war sogar 15min vor der vereinbarten Zeit da. Das fing ja gut an. Schnell haben wir noch unsere Teller geleert und dann ging es auch schon los. Sie hatte uns noch kurz unseren Fahrer Calvin vorgestellt und schon sassen wir in einem gemütlichen VW Pickup Truck auf dem Weg zur Transpantaneira, die Strasse quer durchs Pantanal. Die gesamte Strecke bis Porto Jofre beträgt etwa 250 km, allerdings ist die Transpantaneira mit 145 km Länge nicht asphaltiert, weswegen die Fahrt normalerweise 5 Stunden dauere, da sie uns aber zwischendurch schon die einzelnen Tiere vorstellt, sollten wir uns auf eine 8-stündige Fahrt einstellen. Wir waren freudig gespannt.  Die erste Stunde verging relativ schnell, war es doch eine gut ausgebaute Hauptstrasse, bis dann plötzlich ein Schild mit der Transpantaneira und dem Beginn des Pantanal auftauchte. Hier sind wir in eine Stadt (Pocone) gekommen, wo der Fahrer vor einem Supermarkt angehalten hat und Judy es kommentierte mit den Worten: letzter Supermarkt vor der Transpantaneira.

Supermarkt in Pocone

Supermarkt in Pocone

Wir haben uns 2 Flaschen Guarana und noch eine grosse Flasche Wasser gekauft. Wasser sollte man unbedingt kaufen, denn im Porto Jofre, gibt es das Wasser nur in 2dl Becher zu kaufen, nichts Grösseres. Da uns auch noch eine mehrstündige Fahrt über die Transpantaneira bevorstand, ist das die letzte Möglichkeit noch Wasser zu „bunkern“ und nach Porto Jofre mitzunehmen.

Dann kam die Einfahrt zur Transpantaneira, wo es angeblich soviel „Wildlife“ gibt, wie sonst nirgends auf der Welt. Dafür aber kein Asphalt mehr, sondern eine aufgeschüttete und ausgefahrene, mit Löchern versehene Lehmstrasse, die nur bei gutem Wetter befahrbar ist und bei Regen zur Rutschbahn wird.

Einfahrt zur Transpantaneira

Einfahrt zur Transpantaneira

Wenn es regnet, dann wird die Strasse wie Schmierseife und aus der maximal zulässigen Geschwindigkeit von 60 wird plötzlich 20 km/h. Kaum 2 min auf der „Strasse“ gefahren, schon kreuzt ein Emu Männchen mit 10 Jungen die Strasse, genau vor uns. Ein paar Meter weiter sehen wir die Kaimane, rechts und links der Strasse in Pfützen liegen und dösen. Sie warten vermutlich darauf, dass die Emus unvorsichtig sind. Das ist ja noch besser als im Dschungel, was hier direkt vom Auto aus geboten wird.

Emu Familie

Emu Familie

Dann kommt die erste von insgesamt fast 120 Brücken. Konstruktionen aus mehreren Holzlatten und oben drauf eine Fahrspur bestehend aus je 3 schmalen, nebeneinanderliegenden Latten pro Spur. Manchmal sind es auch nur 2 Latten und manchmal fehlt auch schon mal eine Latte dazwischen. Die Brücken werden immer wieder ausgebessert, so auch geschehen an 2 Baustellen während unserer Anreise. Wenn die Brücken in ganz schlimmem Zustand sind, dann fährt unserer Fahrer um die Brücke herum. Das geht zu dieser Jahreszeit noch, da unterhalb der Brücken meist nur ein kleiner Tümpel ist. Im November, wenn die Regenzeit anfängt, dann sieht das wohl Anders aus.

Die nächsten Tiere die wir sahen, waren jede Menge Vögel und Tausende von gelben und weissen Schmetterlingen, die uns während der ganzen Fahrt begegneten. Die Vögel, waren der grosse, weisse Silberreiher, den wir auch schon im Dschungel des Öfteren gesehen haben, dann die lustigen, gelb schwarz gemusterten und sehr geselligen Gelbbürzelkassiken, die typischen und häufig vorkommenden Rabenreiher sowie den Sträussen, welche ich hier genausowenig wie den Emu vermutet hätte. Wir sahen auch noch verschiedene Greifvögel wie den Fischbussard oder den Schopfkarakara. Dann erblickten wir auf einem grossen Baum ein riesiges Nest mit einer ganzen Vogelfamilie, den JABIRU, einer südamerikanischen Storchenart mit schwarzem Kopf und Hals. Eines der grössten Vogelarten im Pantanal.

Jabiru Nest

Jabiru Nest

Dazwischen haben wir auch noch Hirsche, Wasserschweine, den südamerikanischen Nasenbären und als Highlight eine Anaconda von über 2m Länge, welche vor uns die Strasse überqueren wollte. Schnell sprang unserer Fahrer raus und hat sie am Schwanz festgehalten, damit wir noch schöne Fotos von Ihr machen konnten.

Anaconda auf der Strasse

Anaconda auf der Strasse

Damit haben wir schon auf der Strasse zum Porto Jofre eine ansehnliche Auswahl an Tieren getroffen und die Vorfreude auf die nächsten Tage steigt. Neben der Anaconda, die sehr selten anzutreffen ist, da sie extrem scheu ist, war mein Favorit der Cocoi-Reiher. Eine hier weit verbreitete Reiherart und der grösste Reiher in Südamerika. Ich sehe diesen Tieren gerne beim Fliegen zu, denn es passiert mit soviel Anmut und Grazie.

So kamen wir dann überraschend noch vor dem Mittag in Porto Jofre an, was wohl heisst, dass wir nicht wie andere Tierliebhaber sind und stundenlang immer dieselben Tiere fotografiert haben.

Hotel Pantanal Norte

Hotel Pantanal Norte

Das lag vielleicht aber auch daran, dass wir einen super Fahrer hatten und  aufgrund der enormen Hitze meist gar nicht erst ausgestiegen sind, sondern nur das Fenster heruntergelassen haben. Jedenfalls war Nelson, der uns am Empfang begrüsst sehr überrascht ob unseres frühen Erscheinen und hat erstmal mit Judy geschimpft. Scheinbar gibt es ein ungeschriebenes Gesetz, dass man nicht vor 15:00 Uhr in Porto Jofre ankommt, weil sonst die Zimmer noch nicht gemacht sind. Wir hatten aber Glück und unser Zimmer war zu 90% bezugsfertig. Lediglich noch nicht gekühlt und der Fussboden auch noch nicht feucht aufgenommen. Das hat uns aber in dem Moment nicht gross gestört, solange der Kühlschrank gefüllt und die Klimaanlage schnell kühlt. Beides war gegeben, so haben wir uns schnell eingerichtet und es genossen, einfach mal einen Nachmittag frei zu haben.

Die Hazienda, welche am Ende der Transpantaneira ist, liegt direkt am Rio Cuiaba und die Hälfte aller Appartements liegen am Fluss, die Andere parallel dahinter in 2. Reihe. Die Anlage besteht aus 28 Appartments, die immer paarweise in je einem kleinen Häuschen untergebracht sind. Unser Appartement liegt am Fluss und hat ein Queensize Doppelbett und 2 Einzelbetten, sowie ein Badezimmer mit Dusche.

unser Zimmer im Pantanal Norte

unser Zimmer im Pantanal Norte

Das wichtigste Extra bei den Temperaturen ist jedoch die Klimaanlage. Im Bereich der Hazienda gibt es neben zwei grosszügigen Landungsstegen für bis zu 10 Booten noch eine Wäscherei, ein Spiele-Haus, ein Restaurant und ein kleiner 15×5 m Swimmingpool. Ausserdem ein Teich mit schönen Wasserpflanzen, welcher von einem Steg überspannt wird. Alles ist um einen zentralen Parkplatz angelegt, welcher auch Reisebusse aufnehmen kann und es hat sehr viele Schatten spendende Bäume auf dem gesamten Areal.

Die Koffer, welche im abgedeckten Pickup hinten auf der Ladefläche transportiert wurden, waren zum Glück vom Fahrer vorher eingeschweisst worden, denn so wie sie nach der Fahrt aussahen (voller rotem Lehmstaub von der Transpantaneira) wäre das ohne Hülle nicht gut gewesen.

Monica hat mich dann überredet den Pool zu testen und sich etwas abkühlen zu lassen, Ein verlockender Gedanke. Also schnell die Badesachen aus den Koffern gesucht und erstmal Richtung Swimming-Pool gelaufen. Alle Appartements waren mit dem Gästenamen, dem Veranstalter und dem Guide angeschrieben und so registrierten wir beim Poolbesuch erfreut, dass Sandra, unser Bekanntschaft aus Australien, von der wir uns in der Juma Amazon Lodge verabschiedet haben, direkt das nächste Appartement hat. Nicht im selben Haus, aber auch so nur 5 m entfernt. Die Welt ist klein.

Das mit dem Pool hat sich für mich dann aber schnell erledigt, denn wie bei allen Sumpfgebieten ist auch das Pantanal fest in der Hand der Stechmücken und nach der ersten Erholung und dem Austoben im Pool, hatte ich den Eindruck, dass sich alle Mücken gleichzeitig auf mich stürzen. Da ich so etwas schon befürchtet hatte, habe ich mich ja vorbereitet und das Anti Brumm forte gleich mit an den Pool genommen. Also nur kurz abgetrocknet und schnell eingesprüht. Sehr zu meinem Leidwesen haben sie sich davon nicht sehr abschrecken lassen und ich habe mich schleunigst auf den Rückweg in unser Appartement gemacht. Hier wurden erstmal alle Stiche eingecremt und ich wusste genau, heute Abend zum Abendessen geht es nur noch in langen Kleidern. Dasselbe galt auch ungeachtet der Temperaturen von über 35 Grad für das Mittagessen, was wir jetzt gleich einnehmen wollten, gemeinsam mit Judy. Also schnell in die langen Kleider geworfen und ab zum klimatisierten Restaurant. Vorher gab es schon noch ein paar Zwischenstops mit “aahs” und “oohs”, denn es wimmelt auch auf der Hazienda nur so von Tieren. Die vorrangigste und am meisten vertretenen Arten waren der blaue Hyazinth Ara, der Schopfkarakara und der  Gelbbürzelkassike. Aber selbst die Wasserschweine laufen hier auf dem Areal frei herum und mittlerweile haben wir noch einen Tukan gesehen, welcher hier sein Nest hat. Die Hazienda bietet auch einen Ausritt an und hat dafür sogar 5 Pferde, welche in der Mittagssonne gerne den Schatten der Bäume vom Parkplatz aufsuchen.

Hyazinthe Aras des Hotels

Hyazinthe Aras des Hotels

Auch das Mittagessen,  hier im klimatisierten Restaurant wurde genau wie alle Mahlzeiten als Buffet serviert und war gut. Mittags wird von 12:00 bis 13:30 Uhr serviert. Es gab eine Auswahl an Salaten und als warme Hauptspeisen Huhn, Fisch und Fleisch, sowie als Beilagen Reis oder Nudeln. Auch hier gab es glücklicherweise Pfeffer und sie hatten sogar eine Kaffee-Maschine. Zum Essen wurde auch auf Wunsch noch Getränke gereicht, die aber separat berechnet werden. Wie teuer sie sind, wissen wir noch nicht, da es keine Preistafel gibt. Wichtig zu wissen: Alles was man hier konsumiert muss bar bezahlt werden, da Kreditkarten nicht akzeptiert werden. Das ist in diesem Land eine wichtige Information, denn wir haben bisher an den meisten Geldautomaten maximal 500 Riais ( brasilianische Real) bekommen, was gerade mal 125 Franken entspricht. Da muss man entweder eine Bank aufsuchen, oder mehrmals an verschiedenen Tagen Geld abheben und zwischenlagern.

Das Essen ist inklusive im Preis für die Lodge, zwar im direkten Vergleich zur Juma Amazon Lodge etwas schlechter, aber immer noch gut. Auch beim Dessert gibt es eine grosse Auswahl an lokalen Süssspeisen und Obst.

Den restlichen Nachmittag haben wir genutzt, unsere Berichte zu schreiben, denn wir waren aufgrund der vielen Aktivitäten doch leicht im Hintertreffen. Während Monica draussen vor dem Appartement geschrieben hat, bin ich kein Risiko mehr mit den Insekten eingegangen und habe im Zimmer geschrieben.

Das Abendessen wird von 19:00 bis 20:30 Uhr serviert und war eine Kopie des Mitagessens, jedoch mit anderen warmen Speisen. Zwar gut aber es kommt nicht an die Juma Amazon Lodge heran. Liegt vermutlich auch an der Menge der Gäste, die hier in Porte Jofre doch grösser ist.

Anschliessend haben wir noch kurz an unserem Blog geschrieben, sind aber schnell ins Bett gefallen, denn schliesslich ist die Nacht um 04:45 Uhr vorbei. Ja, ich mag noch gar nicht daran denken. Aber da wir um 21:30 Uhr schon todmüde ins Bett fallen, bleibt die Hoffnung auf ein bisschen Schlaf. 

Transport

Shuttle im VW Amarok nach Porto Jofre

Ausflüge

Safari auf der  Transpantaneira

Unterkunft

Hotel Porto Jofre Pantanal Norte Ltda.
PORTO JOFRE PRESTADORA DE SERVIÇOS LTDA
Rod. Transpantaneira km 145 – Galpão 1
Poconé – Mato Grosso
Tel.   (+55) 65 3623 0236 oder (+55) 65 3637 1263 oder (+55) 65 3637 1593
www.portojofre.com.br

Tipps & Tricks

  • mit Wasser und Bargeld ausstatten
  • gesamten Betrag für die Übernachtungen mit Vollpension schon vorab überweisen
  • Guide und Transport für das Pantanal besorgen) z.B. über Porto Jofre

Galerie

Reiner

Neben den offensichtlichen Hobbies pflege ich noch den Genuss eines schönen Scotch und liebe die Ausfahrten mit meinem Motorrad. Derzeit eine BMW K1300R. Zur Entspannung im Winter geniesse ich den Modellbau und bin hier bereits im Jahre 2003 bei den Figuren des Games Workshop Tabletop-Spiels von Warhammer und Warhammer 40K hängen geblieben. Ich spiele zwar nicht, aber die sehr detailreichen Plastik-Modelle haben es mir angetan.

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